Die Festspieler betreten 2016 Neuland

MZ Artikel 24.11.2015 A. Feuerer.

Die Festspieler betreten 2016 Neuland

Die Brucker Theatergruppe greift den Stoff der Filmkomödie

„Eine ganz heiße Nummer“ auf und inszeniert im Herbst „Der Zug“.

MZ Artikel 24.11.2015 A. Feuerer

Ganz heiße NummerDie Schauspielerinnen Bettina Mittendorfer, Gisela Schneeberger und Rosalie Thomass
während einer Drehpause zum Kinofilm „Eine ganz heiße Nummer“.Foto: dpa

Bruck. Nach der Aufführung ist vor der Aufführung, das gilt für große Schauspielhäuser genauso wie für kleine Theater. Auch beim Kultur- und Festspielverein Bruck ist dies nicht anders. Kaum war in diesem Jahr der letzte Vorhang des Marktspielsommers gefallen, haben sich die Verantwortlichen schon Gedanken über das nächste Stück für 2016 gemacht. Nach eingehender Beratung haben sie sich dazu entschlossen, im kommenden Jahr ein ganz anderes Genre zu wählen.

Kamen in den vergangenen Jahren eher klassische Stücke auf die Bühne, so wird im kommenden Jahr mit dem Stück: „Eine ganz heiße Nummer“ Neuland betreten. Dieses Stück feierte 2011 als deutsche Filmkomödie einen Erfolg. Eine der Hauptrollen hatte im Film die bekannte Kabarettistin Monika Gruber.

Geschrieben hat das Stück Andrea Sixt, und es erzählt die Geschichte von drei berufstätigen Frauen unterschiedlichen Alters, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Der Lebensmittelladen, in dem die drei bisher gearbeitet haben, macht dicht und alle drei plagt die Angst vor der Arbeitslosigkeit. Doch aufgeben kommt für alle drei nicht infrage. Und so entsteht eine „unmoralische“ Geschäftsidee, die der bekannten Devise folgt: Sex sells – immer und überall. Beherzt greifen die drei Mädels zum Telefonhörer, und nach einigen Anlaufschwierigkeiten macht die Telefonsex-Hotline nicht nur ihren Geldbeutel, sondern auch unzählige Männer im Dorf glücklich.

Damit aber noch nicht genug: Für den Oktober 2016 hat sich der KuF noch ein weiteres Objekt vorgenommen. „Der Zug“ – Erinnerungen an einen Krieg – ist genau das Gegenteil der Komödie, die zuvor im Sommer gespielt werden wird. Im Heimat- und Bauernmuseum in Mappach wird dann die Geschichte von David und Clara erzählt, die mit dem Zug auf dem Weg nach Amsterdam sind.

Doch dieser Zug hält unvermittelt auf freier Strecke an. Die Zeit wird lang und David erinnert sich an eine Situation vor vielen Jahren. Auch damals saßen er und Clara in einem Zug, der auf freier Strecke hielt. Damals war es ein Viehwaggon, und David und Clara trugen gelbe Sterne auf ihrer Kleidung. Der Einakter, geschrieben von Carl Slotboom, erzählt vom Schicksal des jüdischen Paares, das im stillstehenden Zug von seinen Erinnerungen an Deportation und Holocaust übermannt wird.

Die Rollen hat Karin Michl, sie hat wieder die Regie für beide Stücke übernommen, schon verteilt, die Drehbücher sind zum Großteil schon bei den Akteuren angelangt und in einigen Wochen werden sich die Darsteller bereits das erste Mal treffen, um das Projekt, „Marktspielsommer 2016“ in Angriff zu nehmen. (tfe)

Eine heiße Nummer wird vom 14. bis 17 Juli auf der Freilichtbühne hinter der Mehrzweckhalle aufgeführt und das Stück der Zug vom 07. bis 09. Oktober im Heimat- und Bauernmuseum in Mappach. (tfe)

KuF dankt für Kommen

Sommernachtstraum Schludbild

Der Kultur und Festspielverein, bedankt sich recht herzlich bei allen Zuschauern, für den tosenden Applaus an allen vier Aufführungstagen, für die viele tolle Kritik und das so oft ausgesprochene Lob für das gesamte "Esemble" Wir bedanken uns noch einmal für Euer Kommen und hoffen auf ein Wiedersehen beim nächten Festspiel des Kultur-und Festspielverein im Jahr 2016

Heiteres Verwirrspiel im Reich der Elfen

MZ Artikel 15.07.2015.

Der Kultur- und Festspielverein Bruck zeigt Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“ in der Bearbeitung von Erich Furrer.
Von UIrike Wolf MZ-Artikel 18.07.2015

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 BRUCK.Seit zehn Jahren ist der Kultur- und Festspielverein Bruck aktiv. Nach dem Festspiel „Macht und Minne“ wandten sich die eifrigen Laienschauspieler verschiedenen Theaterstücken zu. Dieses Jahr war Shakespeare dran mit der Komödie „Ein Sommernachtstraum“ in der Bearbeitung von Erich Furrer. „Shakespeare schrieb Stücke für den Hof und das Volk“, bemerkte Vorstandsmitglied Inge Gleixner. Sie und Robert Feuerer stellten in wenigen Sätzen auch den Inhalt des Stückes vor.
Puck richtet großes Chaos an

Eine Gruppe Handwerker will zur Hochzeit von Fürst Theseus ein Stück aufführen. Zur ungestörten Probe verabreden sie sich im Wald. Ungestört sind sie hier aber nicht: Zwei Liebespaare verstecken sich hier und außerdem ist der Wald das Reich von Oberon und Titania mit ihren Elfen. Oberon möchte mit Hilfe einer Zauberblume den Streit mit seiner Gattin beenden und auch die unglückliche Liebe der Menschen heilen. Diese Aufgabe überträgt er Puck, der aber alles verwechselt und so großes Chaos anrichtet.

Es spielt in verschiedenen Welten, der realen und der Fantasiewelt. Gut wurde dies auch durch die Kostüme sichtbar: die Handwerker trugen beige und gedeckte Farben, die Fantasiegeschöpfe bunte und schillernde Kostüme wie die Pfauenhauben von Oberon und Titania, ihr mit Blättern besticktes Kleid oder die bunte Perücke und den Blütenmantel von Puck. Auch die Kostüme der Liebespaare waren in denselben Farben gehalten.
Realwelt leicht modernisiert

So hatte Lysander eine gelbe Krawatte um den Hals, passend zum gelb-weißen Kleid von Hermia. Ebenso fand sich das hellblau von Helenas Kleid wieder an Demetrius‘ Krawatte. Auch Fürst Theseus und sein Gefolge hatten prächtige Gewänder an, um sich von den einfachen Handwerkern abzusetzen.

Furrer hat sich inhaltlich an die Vorlage Shakespeares gehalten, gerade bei den Szenen in der Fantasiewelt der Elfen viele Zitate oft sogar wörtlich übernommen. Leicht modernisiert hat er in der Realwelt: So wird Hermia, wenn sie nicht Demetrius heiratet, mit dem Tod oder dem Kloster gedroht (im Original: Verbannung) oder der Helena kommt dann schon mal ein „Na super“ aus, als sich nun Demetrius und Lysander in sie verlieben. Auf der Bühne kämpfen sie wild um die schöne Helena – und diese gegen Hermia, weil sie ein abgekartetes Spiel vermutet. Puck hat an den Reibereien der Menschen seinen Spaß – das sieht man der erfahrenen Darstellerin absolut an.

Auch die heiße Liebe, die alle plötzlich für die Falschen empfinden, kam gut rüber und beim Stück der Handwerker gab es einige Highlights. Hier brillierte besonders Zettel als Allroundtalent. Die neuen Darsteller fügten sich gut in die Gruppe ein und gaben ihr Bestes. Ob bis zur Fürstenhochzeit wieder alles gut wird und wenn ja, wie? Da heißt es, einfach ins Freizeitzentrum fahren und sich am Wochenende das Stück ansehen.

Regie führte Karin Michl; Maske: Martina Preßkott, Marion Grimm, Kostüm- und Plakatentwurf: Lara Hasenbach. Weitere Aufführungen sind am Samstag, 18. Juli und Sonntag, 19. Juli um jeweils 20 Uhr auf dem Gelände des Freizeitzentrums Bruck. Der Eintritt kostet elf Euro. Für alle Vorstellungen gibt es noch Karten an der Abendkasse. Die Vorpremiere am Donnerstag besuchten 70 Leute.

Weitere Fotos sehen Sie im Internet auf www.mittelbayerische.de / Region Schwandorf.

Karin Michl lebt ihren Theatertraum

MZ Artikel 15.07.2015.

Die Regisseurin des Brucker Festspiels sprach mit der MZ über Leidenschaft, die Anfänge und was sie noch erreichen möchte.
Von Marion Lanzl MZ-Bericht 15.07.2015

Karin Michl

 In Karin Michls Adern fließt „Theaterblut“ – das hat sie geerbt.Fotos: Marion Lanzl

Bruck.Die ganze Welt ist Bühne, und alle Frauen und Männer bloße Spieler. Wenn aus einem Kindertraum Shakespeares Sommernachtstraum wird, dann steckt nicht nur eine tiefe Leidenschaft sondern auch jede Menge Zeit, Fleiß und Arbeit dahinter. Die Regisseurin des Brucker Festspiels, Karin Michl, hat das Theatervirus schon im Kinderzimmer infiziert und sie hat sich ihre Passion und Fantasie bis heute erhalten. Zum achten Mal inszeniert die gebürtige Furtherin die Marktfestspiele an diesem Wochenende.
Die Vorarbeit ist immens

Doch niemand sieht, welche Vorarbeit hinter all dem Genuss für die Besucher steckt. „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, bestätigt Karin Michl. Der altbekannte Spruch aus dem Fußball passt auch auf die Theatergruppe. Eine Woche Urlaub nach den Aufführungen im Juli gönnt sich die 46-Jährige. Gleich nach der kurzen Auszeit geht es aber wieder los. Es gilt zu recherchieren. Welches Stück steht für den nächsten Spielplan zur Verfügung, welches Stück passt zur Schauspieltruppe. „Man möchte ja am liebsten jedem der engagierten Laiendarsteller eine besonders schöne Rolle geben, wir haben viele wirklich gute Leute, aber nicht jedes Stück gibt dazu genug her.“

Darüber hinaus muss die Handlung natürlich auch von den räumlichen und nicht zuletzt finanziellen Möglichkeiten her umsetzbar sein. Kein leichtes Unterfangen für eine Laienspielgruppe. Nach einer Vorauswahl wird abgestimmt, danach fängt die Arbeit erst richtig an.

Die „Komödie der panischen Verzauberung“, so ein Kritiker über den Sommernachtstraum, hat auch Karin verzaubert: „Shakespeare liebe ich schon immer, seine Sprache, sein Liebeschaos, seine Poesie.“ Während sich die Darsteller vielleicht schon in die eine oder andere Rolle träumen, macht Karin Skizzen und Notizen. „Die Szenen entstehen quasi schon beim Lesen des Stücks in meiner Fantasie. Schon bei der ersten Probe im Januar muss ich wissen, wie ich die Darsteller platziere.“ Vorstellungskraft hat die gelernte Fotografin. Manchmal muss sie aber die eiserne Lady geben, muss – so eine Inszenierung braucht Disziplin.

Alles wartet sozusagen dann auf ihr bewährtes Kommando, denn Karin Michl hat nicht nur in Bruck jede Menge Erfahrung mit dem Theater gesammelt. Bereits vor ihrer Zeit beim Marktspielsommer mit „Macht und Minne“ hatte sie als Regieassistentin bei Nikol Putz, dem Impresario des Festspielvereins Neunburg vorm Wald, wo dieser seit 1997 als Regisseur den „Hussenkrieg“ inszeniert, über die Schulter geschaut. „Von ihm hab ich absolut viel gelernt“, erzählt Karin offen. Drei Workshops hat sie bei dem Theaterfachmann absolviert und drei Jahre als Regieassistentin an seiner Seite die Kunst Inszenierens studiert. Er ist Laienspielleiter des Bezirks Oberpfalz und in dieser Funktion natürlich auch für alle anderen Theatergruppen kompetenter Ansprechpartner, kritischster Beobachter und öffnet oft die Augen, „denn mit der Häufigkeit der Proben wird man auch betriebsblind“, gesteht die sympathische Theaterfrau. Bei einer der letzten Proben schaut der Mentor dann auch wirklich vorbei und den Schauspielern sozusagen auf die Finger.

Karin Michl hatte aber auch schon vor ihrer „Lehrzeit“ bei Nikol und den Hussen-Festspielen Erfahrung mit Aufführungen und Inszenierungen. Für den Hofball der Allotria hat sie Spieleinlagen einstudiert und als Hans Bauer und Josef Vohburger für den Tourismusverband die Geisterwanderung auf den erfolgreichen Weg brachten, wurden bald auch talentierte Hexen gesucht. Karin Michl und ihre Freundinnen waren gleich dabei und haben die Szenen einstudiert. In Karin Michls Adern fließt einfach Theaterblut – kein Wunder bei dem Stammbaum: Väterlicherseits gab es eine wahre Künstlerdynastie an Schauspielern und Theaterdirektoren, eine Tante arbeitete als Maskenbildnerin in Bayreuth am berühmten „Grünen Hügel“ und eine Tante beim Bayerischen Rundfunk. Urururgroßmutter Charlotte Bastè väterlicherseits stammte aus einer angesehenen Künstlerfamilie, ihr Vater war der Theaterdirektor Theodor Bastè, ihr Großvater Julius Bastè und die Schwestern Käthe und Paula ebenfalls Schauspieler. Charlotte konnte bereits als Vierjährige erfolgreich in St. Petersburg debütieren. Später kam die Familie nach Deutschland und die Urururoma mit 15 ans Königliche Schauspielhaus in Berlin.

„Zwölf Jahre war ich 1. Vorstand des Theater- und Festspielvereins Nittenau und vor allem aber hinter den Kulissen mit bei der Geisterwanderung dabei. Das Organisieren und inszenieren liegt mir noch mehr, als das auf der Bühne stehen“, gesteht sie freimütig, „Dazu wäre ich viel zu nervös!“ Lampenfieber gehört wohl mit zu jedem Schauspielerleben, egal ob in Hollywood oder auf der Bretterbühne, da bleibt kaum ein Mime verschont. Die Angst vor einem Hänger oder dass die Stimme versagt, bleibt Karin Michl hinter der Bühne zwar erspart, aber „Premierenfieber“ muss auch sie erleiden. Bis sprichwörtlich der Vorhang fällt, bis zum letzten gesprochenen Wort und bis endlich der erlösende Applaus erklingt, fiebert sie zusammen mit all den unsichtbaren Helfern hinter den Kulissen mit. Die Sorge, ob das Wetter hält, ist die Spielleiterin seit dieser Saison los. „Was Bruck da hingestellt hat, ist wirklich fantastisch“, schwärmt Michl über den neuen Theaterplatz. Man kann sich hier in der Tat viele Veranstaltungen vorstellen.
Bis zu 50 Mal wird geprobt

40 bis 50 Proben setzt die Regisseurin für jede Spielsaison an, schließlich sind 80 bis 90 Seiten Textbuch zu lernen. Da ist auch ihre Truppe sowohl vom Pensum als auch zeittechnisch ganz schön gefordert. „Wir haben Darsteller, die aus Kallmünz, Roding und Regenstauf ab Januar zweimal pro Woche nach Bruck anreisen. Das ist wirklich einzigartig!“, schwärmt die Spielleiterin von ihrem Team. Mit Stellproben fängt es an, bis dann spätestens im April die Bücher zur Seite gelegt werden. Zur psychischen Stütze sitzen dann noch zwei Souffleusen bereit, die im Notfall, die Stichworte zuflüstern, wie der Name sagt.

Pannen passieren natürlich trotzdem immer wieder mal, dagegen ist niemand gefeit. „Eine besonders amüsante Panne entstand bei einer Aufführung im Meisl Saal. Bei „Raphael im Zeugenstand“ krachte dem Richter, alias Karl Steiner, sprichwörtlich der Hocker unter dem Allerwertesten zusammen. Um die Szene nicht zu kippen, blieb Karle, wie Steiner liebevoll genannt wird, zwanzig Minuten in der „Schussfahrt“ Position am Tisch „sitzen“.“ Ja, das macht einen echten Schauspieler eben aus. So tun als ob. Die größte Gefahr ist freilich immer, dass ein Darsteller kurzfristig ganz ausfällt. Doppelbesetzungen gibt es, wie üblich, bei Laiengruppen nicht. Dafür kommt der Brucker Chor „B’choired“ unter der Leitung von Thomas Rieder dieses Mal wieder zum Einsatz, was die Regie besonders freut.

Das schätzt Karin Michl auch so an „ihren“ Bruckern. Sie halten durch, halten „zam“, sind zwar manchmal ein wenig „grad o“, wie man so schön sagt, und manchmal scheppert es auch, aber sie packen auch immer mit an und schnell wird da umgesetzt, was sich die Regisseurin so während der Vorlaufzeit zu den Aufführungen an Bühnenbauten einfallen lässt. „Aegid Windl zum Beispiel hat ruck zuck eine zweite Ebene auf die bestehende Freilichtbühne auf dem Gelände des Brucker Freizeitzentrums gezaubert. Ohne diese fleißigen Mitstreiter könnten die Aufführungen nie so umgesetzt werden“, lobt die Spielleiterin ihre gesamte Truppe. Das ist einer der Gründe, warum Michl, trotz Angeboten von anderen Laienspielgruppen, hier in Bruck bleibt. „Mein Traum war immer eine eigene Inszenierung, eigene Regiearbeit, ein Podium auf dem ich meine Ideen umsetzen kann. Das habe ich hier in Bruck und dazu eine tolle Gemeinschaft – was will ich mehr?“

Langweilig wird es ihr dabei sicher so schnell nicht. Für 2016 hat Karin Michl für das nächste Projekt schon wieder etwas an Land gezogen. „Ein echter Glücksfall, mehr verrate ich noch nicht“, zwinkert die findige Organisatorin schelmisch und es scheint, als steckte ein Stück Puck auch in Karin Michl. Einen Traum hat die kreative Frau aber noch: „Ich würde gerne mal ein ernstes Stück in kleiner Besetzung aufführen und mehr Musik mit einbauen“, sinniert sie. Vielleicht lässt dieser Wunsch sich 2017, zu ihrem zehnjährigen Jubiläum ja verwirklichen, denn das ist mehr als nur ein Sommernachtstraum – es ist ein Lebenstraum.

Sommernachtstraum emanzipiert sich – den Puck spielt eine Frau!

MZ Artikel 15.07.2015.

In Bruck gehen die Uhren anders – ob Shakespeare das
so lustig fände?

Von Marion Lanzl  Wochenblatt  15.07.2015

Rebecca Wochenblatt

 Rebekka von der Osten studiert ihren Text für die Rolle des Pucks. Foto: Kultur- und Festspielverein (KuF) Bruck

Bruck. Der Sommernachtstraum ist wohl eines der meistgespielten klassischen Stücke und gehört zum Repertoire jedes Theaterhauses, das etwas auf sich hält. Für einen ganz besonderen Sommernachtstraum, frei nach William Shakespeare, sorgt zum zehnjährigen Jubiläum des Marktspielsommers der Kultur- & Festspielverein Bruck. Die Frauenpower ist unübersehbar. Nicht nur, dass es hier seit acht Jahren eine weibliche Regie gibt, auch zahlreiche andere Partien sind dieses Jahr in sogenannten Hosenrollen mit holder Weiblichkeit besetzt. Da wundert es kaum noch, dass sogar der Puck, der sagenhafte Elf, der durch den Zauberwald huscht und den Zuschauer mal an die Hand nimmt, mal mit Worten in die Irre führt, von einer Frau gespielt wird! Rebekka von der Osten schlüpft in die grüne Haut und das blumige Kostüm des quirligen Naturgeistes. Ihr scheint der Schalk genauso im Nacken zu stecken, wie der Theaterfigur, spitzbübisch erweckt sie die Rolle zum Leben. Hüpft, springt und huscht, wie es sich für einen Puck gehört. Dabei ist nicht zu übersehen – der Puck ist nicht nur eine Frau, sondern auch hoch schwanger! Wenn das der gute, alte Shakespeare wüsste! Rebekka von der Osten lacht: „Ich denke, er hätte diese Komik sehr begrüßt und sich herzlichst darüber amüsiert!?“ Und Beatrice von der Osten ergänzt: „Er hätte es genial gefunden,
nachdem er es liebte, mit dem ,einfachen Volk‘ großes Theater zu machen!“

Hosenrollen waren zu Shakespeares Zeiten nicht üblich, im Gegenteil, es wurden sogar die Frauenrollen von Männern gespielt. Bis ins 18. Jahrhundert hinein gab es Bühnen, die sogar nur männliche Darsteller duldeten. „Sonst aber war Shakespeare nichts Menschliches fremd. Waren die Stücke doch damals dem Volk nach dem Mund geschrieben und in seiner trivialen Art oft alles andere als fein“, lachen
die Schwestern einstimmig. „Wir haben so tolle Kollegen!“ Sie sind mit Shakespeare aufgewachsen, die Kunst, das Theater und die Literatur wurden beim ihren Eltern immer groß geschrieben. Schon acht Jahre wirken die temperamentvollen Damen bei den Brucker Theateraufführungen mit. So ist es auch bereits das zweite Stück des englischen Volksdichters, das mit den schauspielernden Schwestern aufgeführt wird. 2010 wagte man sich zum ersten Mal an einen echten Klassiker. Die Rollen der ungleichen Schwestern in „Bussi Kathi“, der bayerischen Ausgabe der Widerspenstigen Zähmung, schienen den talentierten Mimen auf den Leib geschrieben. Im Goethe-Jahr 2012 sollte es dann „a bisserl Faust“ sein. Auch hier glänzten die Schwestern und bestachen mit ihrem schauspielerischen Talent. Beide Stücke waren ein großer Erfolg. „Wir haben so tolle Kollegen, das macht es aus“, erklärt Rebekka von der Osten.
„Man ist immer nur so gut, wie sein Gegenüber. Wir sind hier alle auf Augenhöhe.“ In der Tat überrascht die Laienspielgruppe schon bei den Proben mit einem durchgehend hohen Niveau.

Fast unzertrennlich wirken die Schwestern, haben beide die letzten Jahre geheiratet und jetzt beide süßen Nachwuchs. Deren Namen klingen wie aus einem Stück von Shakespeare – Zacharias Mathias Leopold und Elias Ansgar Gero! Wenn das keine Namen sind, die nach der
Welt des Theaters rufen. Puck Rebekka wird ab Oktober die Babyzeit als Mama genießen, Beatrice hatte letztes Jahr Babypause vom Theaterspielen, ansonsten ist sie sogar in einer zweiten Theatergruppe, bei Kunstblut in Kallmünz, aktiv, wo sie auch ihren Mann kennenlernte. Ihre Traumrolle? „Natürlich die schöne Beatrice in ,Viel Lärm um Nichts‘ mit meinem Mann als Benedikt, denn auch er ist Hobby-Schauspieler.“ Und Rebekka? „Ich hatte bereits die große Ehre, meine Leidenschaft als ,Luze‘ in ‚a bisserl Faust‘ und als ,Kathi‘ in ,Bussi Kathi –der Widerspenstigen Zähmung‘ auf der Bühne darzustellen. Der Puck gehört auf jeden Fall auch zu meinen Traumrollen!“ Auch die ideale neue Spielbühne tut seines zu einer herausragenden Aufführung in der neuen Saison in Bruck. „Es ist wirklich fantastisch, was die Brucker Gemeinde für die Vereine und für die Kultur tut“, loben die Schwestern unisono. Der neu gebaute Glaspavillon war sehr umstritten, bringt aber eine ganz andere Atmosphäre für den Marktspielsommer in Bruck. Umgeben von der malerischen Kulisse der alten Weide und ans Freizeitzentrum gelehnt, bietet das Glasgebilde eine sichere Bühne für die Aufführungen. Wenn sich hier ab Donnerstag
„im Wald beim Schloss“ Puck, der Hofnarr des Elfenkönigs Oberon und eine Fee der Feenkönigin Titania begegnen, kann man den Zauber der Lyrik Shakespeares mit Gänsehaut erleben. Die Vorpremiere findet am Donnerstag, 16. Juli, statt, die Premiere ist am Freitag, 17. Juli. Weitere Vorstellungen finden am Samstag, 18. Juli, und Sonntag, 19. Juli statt. Einlass ist jeweils um 19 Uhr. Beginn der Vorstellung ist dann jeweils um 20 Uhr.

Eine Familie ist voll im Theaterfieber

MZ Artikel vom 17.06.2015 (tfe).

Die Becks stehen im „Sommernachtstraum“ des Brucker Kultur- und Festspielvereins
zum ersten Mal zusammen auf der Bühne.

Becks

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Peter, Monika, Katharina und Sebastian Beck stehen im „Sommernachtstraum“ des Kultur- und Festspielvereins vom 16. bis 19. Juli zum ersten Mal zusammen auf der Bühne.Foto: tfe

Der Brucker Kultur- und Festspielverein feiert in diesem Jahr nicht nur das zehnjährige Bestehen, sondern kann auch mit einer Besonderheit aufwarten: Zum ersten Mal spielt eine vierköpfige Familie mit. Peter, Monika, Katharina und Sebastian Beck stehen erstmals zusammen auf der Bühne. Peter Beck hat bereits vor zwei Jahren sein Bühnendebüt geben, als er mit dem Chor B’choired den gesanglichen Part beim Stück „Die Feuerzangenbowle“ übernommen hatte. Da hatte er „Blut geleckt“, denn es habe ihm damals riesigen Spaß gemacht, erzählt er im Gespräch mit der MZ.

Peter Beck hat daraufhin bei Regisseurin Karin Michl durchblicken lassen, dass er gerne mal eine Rolle übernehmen würde. Auch seine Frau Monika war einem Theaterdebüt nicht abgeneigt und so hätten beide ebenso wie ihre Tochter Katharina bereits im vergangen Jahr jeweils eine Rolle übernehmen sollen. Leider stellte sich dann heraus, dass Katharinas Schulabschlussball genau an dem Wochenende stattfinden sollte, an dem auch die Theateraufführungen terminiert waren. So mussten sie ihre Ambitionen noch ein bisschen auf Eis legen.

In diesem Jahr jedoch hat es geklappt. Karin Michl fragte bei den Becks an, ob sie sich vorstellen könnten im „Sommernachtstraum“ eine Rolle zu übernehmen und alle drei sagten sofort zu. Eigentlich hätte Peter eine etwas größere Rolle übernehmen sollen, was ihm aber aus beruflichen Gründen nicht möglich war. Spontan übernahm Monika Beck die Rolle ihres Mannes und auch Katharina bekam gleich eine nicht ganz einfache Rolle von der Regisseurin zugeteilt.

Im Laufe der Zeit stellte es sich dann heraus, dass noch eine Elfe benötigt wird. Da kein Mädchen mehr aufzutreiben war, wurde die Elfe kurzerhand zu einem Elf und so hatte auch Sohn Sebastian eine, wenn auch kleine Sprechrolle. Da, wie es oft so ist beim Theater, die männlichen Rollen schwer zu besetzten sind, mussten Monika und Katharina gleich eine „Hosenrolle“ übernehmen. Das war am Anfang schon nicht ganz leicht, bestätigen beide. Zum ersten Mal auf der Bühne stehen und dann gleich einen Mann spielen, war schon eine Herausforderung, aber mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt und sie freuen sich auf jede Probe.

Auch das Textlernen sei ihnen nicht allzu schwer gefallen, denn man habe sich ja gegenseitig abhören können. Auch Sebastian findet seine Rolle Klasse. „Du brauchst nicht viel lernen und darfst auf der Bühne ein bisschen „Unfug“ treiben, alles im Rahmen der Rolle natürlich. Auch Vater Peter, der wie sein Sohn eine kleine Rolle bekommen hat, darf auf der Bühne sein komödiantisches Talent ausleben. „Wenig Text und viel Spaß“, so beschreibt er seine Rolle in einem Satz. Karin Michl ist von ihrer „Schauspielerfamilie“ sehr angetan, die vier seien allesamt Naturtalente, denen man es anmerke, dass sie viel Spaß am Theaterspielen haben, so die Regisseurin. Die Zuschauer können die vier nun bei diesem „Marktspielsommer“ auf der Bühne in den Rollen des Lysander (Katharina Beck), des Demetrius (Monika Beck), des Handwerkers Schlucker (Peter Beck) und eines Elfs (Sebastian Beck) erleben.

Endlich ein festes Dach über dem Kopf

MZ Artikel vom 30.5.2015 (tfe).

Der Kultur- und Festspielverein Bruck wird zehn Jahre alt.
In diesem Jahr führen die Darsteller den „Sommernachtstraum“ auf.

Macht und Minne Archiv

„Macht und Minne“, aufgeführt am Marktplatz, war das erste Stückdes Kultur-und Festspielvereins Bruck.Foto: tfe

Perschen 2015

Heuer hat der „Sommernachtstraum“ Premiere

Bruck.Die Zeit ist wie im Flug vergangen. In diesem Jahr kann der Kultur-und Festspielverein Bruck (KuF) bereits seinen zehnten Geburtstag feiern. Angefangen hat alles mit dem Stück „Macht und Minne“, das mit großem Aufwand am Marktplatz aufgeführt worden ist. Nach drei Jahren war mit diesem Stück Schluss, da sich herausstellte, dass der Marktplatz für die Aufführung von Theaterstücken nicht optimal ist. So wichen die Festspieler mit dem Stück „Arcadia“, dem Märchen für Erwachsene, auf den Platz vor der Marktmauer aus, aber auch dieser Platz war fürs Theater nicht geeignet und so wichen die Darsteller auf das Gelände des Freizeitzentrums aus. Dort spielt der Kultur- und Festspielverein nun seit 2010.

Dreimal „bespielte“ der KuF auch den Meisl-Saal. Mit den Stücken „Julia auf der Gemesenalm“, „Raphael in den Zeugenstand“ und dem „Zauberlehrling“, feierten die Darsteller hier große Erfolge. Nicht nur der Aufführungsort auch die Stückauswahl hat sich verändert. War Macht und Minne noch ein klassisches Mittelalterstück, so trauten sich die Festspieler 2010 mit „Bussi Kathi“ oder, der „Widerspenstigen Zähmung“, zum ersten mal an einen Klassiker im Bayerischen Gewand. Es folgten „Ein bisserl Faust“ und im vergangenen Jahr „Lysistrata“. Aber auch Robin Hood und seine Mannen bevölkerten schon die Bühne hinter der Mehrzweckhalle und mit der „Feuerzangenbowle“ ließ man den „Pfeiffer mit drei F“ auferstehen.

Mit dem Platz hinter der Mehrzweckhalle sind die KuF´ler mehr als zufrieden. Hier können sie in Ruhe proben und in einem kleinen Raum die benötigten Requisiten für die Zeit der Proben und Aufführungen unterstellen. Der einzige „Knackpunkt“ ist, wie bei jedem Freilichtspiel, das Wetter. Nervenaufreibend waren die letzten Tage daher sehr oft. Hält das Wetter oder hält es nicht? Es kam daher fast jedes Mal vor, dass die Festspieler, entweder gleich in der Mehrzweckhalle noch eine Bühne aufgebaut haben oder am Abend noch spielte und am anderen Morgen die Bühne draußen ab und in der Halle wieder aufgebaut hat. Dieser Aufwand war für alle anstrengend.

Und dann kam die Renovierung der Mehrzweckhalle und bei den Schauspielern wuchs der Wunsch nach einem Dach. Der Verein sprach bei Bürgermeister Hans Frankl vor, dieser Informierte auch die Markträte und diese kamen dann überein, dass so ein Dach nicht nur für den KuF, sondern für alle Brucker Vereine ein Gewinn sei. Dann stellte es sich auch noch heraus, dass diese Überdachung durch das LEADER-Programm der EU gefördert wird und so stand der Lösung, wie sie jetzt zu sehen ist, nichts mehr im Wege.

Den Verantwortlichen des KuF wurde damit eine Riesen Last von den Schultern genommen. Mittlerweile steht bereits wieder die Bühne, so dass die Schauspieler ihr neues Stück proben können. Für das zehnjährige Jubiläum hat sich Regisseurin Karin Michl wieder etwas Besonderes einfallen lassen. In diesem Jahr führen die Festspieler „Der Sommernachtstraum“ von Erich Furrer nach Motiven von William Shakespeare auf. Dieses lebendige, witzige Stück in dem Elfen genauso vorkommen, wie Herzöge und Handwerker, entführt die Zuschauer ins Reich der Fantasie. Liebespaare finden zueinander, aber nicht ohne Irrungen und Wirrungen, an denen ein der kleine Kobold Puck nicht ganz unschuldig ist. Die Schauspieler sind mit Feuereifer bei den Proben dabei, da ihnen dieses Stück schon eine Menge abverlangt aber Regisseurin Karin Michl ist bereits jetzt voll des Lobes denn langsam aber sicher entsteht aus vielen Einzelteilen ein großes Ganzes. (tfe)
Das Schauspiel

Regisseurin Karin Michl
hat sich wieder etwas Besonderes einfallen lassen. In diesem Jahr führen die
Festspieler „Der Sommernachtstraum“ von Erich Furrer nach Motiven von William Shakespeare auf.

Karten gibt es
zum Preis von elf Euro für Erwachsene und sieben Euro für Kinder bis 14 Jahre, über OK Ticket in Internet
zum selber ausdrucken oder im Reisebüro Multerer in Bruck und Getränkemarkt Stangl in Bodenwöhr und
bei allen OK Ticket Vorverkaufstellen.
Beim Ticketkauf über die Vorverkaufsstellen kommt noch 1 Euro Bearbeitungsgebühr dazu.