Sommernachtstraum emanzipiert sich – den Puck spielt eine Frau!

In Bruck gehen die Uhren anders – ob Shakespeare das
so lustig fände?

Von Marion Lanzl  Wochenblatt  15.07.2015

Rebecca Wochenblatt

 Rebekka von der Osten studiert ihren Text für die Rolle des Pucks. Foto: Kultur- und Festspielverein (KuF) Bruck

Bruck. Der Sommernachtstraum ist wohl eines der meistgespielten klassischen Stücke und gehört zum Repertoire jedes Theaterhauses, das etwas auf sich hält. Für einen ganz besonderen Sommernachtstraum, frei nach William Shakespeare, sorgt zum zehnjährigen Jubiläum des Marktspielsommers der Kultur- & Festspielverein Bruck. Die Frauenpower ist unübersehbar. Nicht nur, dass es hier seit acht Jahren eine weibliche Regie gibt, auch zahlreiche andere Partien sind dieses Jahr in sogenannten Hosenrollen mit holder Weiblichkeit besetzt. Da wundert es kaum noch, dass sogar der Puck, der sagenhafte Elf, der durch den Zauberwald huscht und den Zuschauer mal an die Hand nimmt, mal mit Worten in die Irre führt, von einer Frau gespielt wird! Rebekka von der Osten schlüpft in die grüne Haut und das blumige Kostüm des quirligen Naturgeistes. Ihr scheint der Schalk genauso im Nacken zu stecken, wie der Theaterfigur, spitzbübisch erweckt sie die Rolle zum Leben. Hüpft, springt und huscht, wie es sich für einen Puck gehört. Dabei ist nicht zu übersehen – der Puck ist nicht nur eine Frau, sondern auch hoch schwanger! Wenn das der gute, alte Shakespeare wüsste! Rebekka von der Osten lacht: „Ich denke, er hätte diese Komik sehr begrüßt und sich herzlichst darüber amüsiert!?“ Und Beatrice von der Osten ergänzt: „Er hätte es genial gefunden,
nachdem er es liebte, mit dem ,einfachen Volk‘ großes Theater zu machen!“

Hosenrollen waren zu Shakespeares Zeiten nicht üblich, im Gegenteil, es wurden sogar die Frauenrollen von Männern gespielt. Bis ins 18. Jahrhundert hinein gab es Bühnen, die sogar nur männliche Darsteller duldeten. „Sonst aber war Shakespeare nichts Menschliches fremd. Waren die Stücke doch damals dem Volk nach dem Mund geschrieben und in seiner trivialen Art oft alles andere als fein“, lachen
die Schwestern einstimmig. „Wir haben so tolle Kollegen!“ Sie sind mit Shakespeare aufgewachsen, die Kunst, das Theater und die Literatur wurden beim ihren Eltern immer groß geschrieben. Schon acht Jahre wirken die temperamentvollen Damen bei den Brucker Theateraufführungen mit. So ist es auch bereits das zweite Stück des englischen Volksdichters, das mit den schauspielernden Schwestern aufgeführt wird. 2010 wagte man sich zum ersten Mal an einen echten Klassiker. Die Rollen der ungleichen Schwestern in „Bussi Kathi“, der bayerischen Ausgabe der Widerspenstigen Zähmung, schienen den talentierten Mimen auf den Leib geschrieben. Im Goethe-Jahr 2012 sollte es dann „a bisserl Faust“ sein. Auch hier glänzten die Schwestern und bestachen mit ihrem schauspielerischen Talent. Beide Stücke waren ein großer Erfolg. „Wir haben so tolle Kollegen, das macht es aus“, erklärt Rebekka von der Osten.
„Man ist immer nur so gut, wie sein Gegenüber. Wir sind hier alle auf Augenhöhe.“ In der Tat überrascht die Laienspielgruppe schon bei den Proben mit einem durchgehend hohen Niveau.

Fast unzertrennlich wirken die Schwestern, haben beide die letzten Jahre geheiratet und jetzt beide süßen Nachwuchs. Deren Namen klingen wie aus einem Stück von Shakespeare – Zacharias Mathias Leopold und Elias Ansgar Gero! Wenn das keine Namen sind, die nach der
Welt des Theaters rufen. Puck Rebekka wird ab Oktober die Babyzeit als Mama genießen, Beatrice hatte letztes Jahr Babypause vom Theaterspielen, ansonsten ist sie sogar in einer zweiten Theatergruppe, bei Kunstblut in Kallmünz, aktiv, wo sie auch ihren Mann kennenlernte. Ihre Traumrolle? „Natürlich die schöne Beatrice in ,Viel Lärm um Nichts‘ mit meinem Mann als Benedikt, denn auch er ist Hobby-Schauspieler.“ Und Rebekka? „Ich hatte bereits die große Ehre, meine Leidenschaft als ,Luze‘ in ‚a bisserl Faust‘ und als ,Kathi‘ in ,Bussi Kathi –der Widerspenstigen Zähmung‘ auf der Bühne darzustellen. Der Puck gehört auf jeden Fall auch zu meinen Traumrollen!“ Auch die ideale neue Spielbühne tut seines zu einer herausragenden Aufführung in der neuen Saison in Bruck. „Es ist wirklich fantastisch, was die Brucker Gemeinde für die Vereine und für die Kultur tut“, loben die Schwestern unisono. Der neu gebaute Glaspavillon war sehr umstritten, bringt aber eine ganz andere Atmosphäre für den Marktspielsommer in Bruck. Umgeben von der malerischen Kulisse der alten Weide und ans Freizeitzentrum gelehnt, bietet das Glasgebilde eine sichere Bühne für die Aufführungen. Wenn sich hier ab Donnerstag
„im Wald beim Schloss“ Puck, der Hofnarr des Elfenkönigs Oberon und eine Fee der Feenkönigin Titania begegnen, kann man den Zauber der Lyrik Shakespeares mit Gänsehaut erleben. Die Vorpremiere findet am Donnerstag, 16. Juli, statt, die Premiere ist am Freitag, 17. Juli. Weitere Vorstellungen finden am Samstag, 18. Juli, und Sonntag, 19. Juli statt. Einlass ist jeweils um 19 Uhr. Beginn der Vorstellung ist dann jeweils um 20 Uhr.