Witzige Dialoge und beißende Ironie

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Witzige Dialoge und beißende Ironie
Der Kultur- und Festspielverein Bruck begeisterte mit der
Komödie „Und ewig bockt das Weib" im Rahmen des
Marktsommers 2014 das Publikum.

 



 


 
  Die Frauen versuchen ihre Männer durch
  Liebesentzug gefügig zu machen. Foto: tkw

Seit Januar hat das Ensemble des Kultur- und Festspielvereins Bruck am Stück „Und ewig bockt das Weib" gearbeitet und wurde an allen drei Aufführungstagen mit jeweils über 200 Zuschauern belohnt. Obwohl als „Männeralptraumkomödie" angekündigt, waren auch viele Herren im Publikum.

Erzähler und Soldat Periklis entführte die Gäste in das Athen um 411 vor Christus, als der Krieg zwischen Athen und Sparta bereits 30 Jahre dauerte. Die Frauen um Anführerin Lysistrata (die Heerzerstörerin) beschlossen, ihre Männer durch Liebesentzug gefügig zu machen und die Akropolis zu stürmen, denn ohne Geld keine Waffen. Den gleichen Plan verfolgten die Spartanerinnen.

Dass die Umsetzung aber ohne Weiberzickereien nicht klappen kann, zeigte gleich der erste Akt. Lysistrata hatte alle Mühe, ihre Mitstreitrinnen davon zu überzeugen, dass die Sache wichtiger sei als die neueste Handtasche von „Guccios". „Anheizen und dann zammzwicken" lautete also die Devise für die nächsten Wochen. Nachdem sie den Wächter der Akropolis überfallen hatten, besetzten die Damen nun die Akropolis. Dies rief gleich den Kriegsminister Dimeserios und seinen Spionagechef Sekretarios auf den Plan. Dieser fand per „Facebook" raus, dass „Lysistrata eigentlich Inge Gleixner heißt, sich gern mit der schwarzen Brunhild rumtreibt und auch sonst recht aufrührerisch" ist – ein kleiner Seitenhieb auf Gemeinderatsmitglieder.

Nach einigen Wochen sehnten sich aber Männer und die meisten Frauen wieder nach einem normalen Eheleben – so belagerten nachts die Männer die Akropolis in der Hoffnung auf ein Stelldichein mit der Liebsten und wurden knallhart vorgeführt. Einer wurde bereits ausgezogen stehenlassen und ein anderer bis aufs Äußerste gereizt ohne Happy End. Auch bei den Friedensverhandlungen zeigten sich die Frauen hart – nicht nur der Krieg sollte zu Ende sein, sondern die Frauen wollten auch die Verwaltung des Geldes übernehmen. „Am End san mir oben" war der Wahlspruch der bockigen Weiber. Den Männern blieb zum Schluss nichts anderes übrig, als Frieden mit den Spartanern zu schließen.
Kennzeichnend für die witzigen Dialoge waren die vielen Anspielungen auf Politik und Gesellschaft, die Autor Roland Beier eingefügt hatte. Ob Spionageaffäre, der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr, der Rettungsschirm für Griechenland („die Germanen sind so blöd und zahlen unseren Krieg"), bzw. die Auflagen dazu („jetzt können wir nicht einmal mehr unsere Beamten bestechen"). Die Pläne einiger Männer, erst eine Revolution anzuzetteln und dann gegen den Revolutionär vorzugehen, um selbst an die Macht zu kommen, erinnert sehr an die Ereignisse in Ägypten.

Für beißende Ironie und Zeitbezüge in seinen Stücken war auch Aristophanes selbst bekannt. Für viele Lacher sorgte auch, dass Martilita ihren Mann, den Kriegsminister Dimeserios, immer in der Öffentlichkeit „Bärchen" nannte und somit seine Autorität untergrub. Auch der Versuch von Tasos, die Soldaten durch schwul werden von den Frauen unabhängig zu machen, brachte nicht viel außer großes Vergnügen bei den Zuschauern über seine tuntigen Anmachversuche.

Bei der Vorpremiere am Donnerstagabend zeigte sich die Künstlerin Christina Fink-Rester begeistert: „Keine Minute langweilig". Auch Autor Roland Beier war begeistert von der Brucker Umsetzung seines Stücks: „Im Oberpfälzer Dialekt interessant." Auch, dass einige Figuren anders angelegt waren (Taverna besoffen/Tasos tuntig) als 2012 mit der Münchner Volkssängerbühne, fand er gut, „da kann man mit der Komik mehr spielen". Über das klassische Stück „Lysistrata" von Aristophanes sei er „zufällig drübergestolpert" und habe es umgearbeitet. In seiner Fassung mit der Münchner Volkssängerbühne wird auch noch gesungen. Gut gefallen hatte es auch Bürgermeister Johann Frankl und seinen Kollegen aus Nittenau, die bei der Premiere anwesend waren. Auch der Brucker Pfarrer Helmut Brunner hatte die teils deftigen sexuellen Anspielungen in Ordnung gefunden, so ein Ensemblemitglied.

Regisseurin Karin Michl hat sich indessen schon Gedanken über das Stück für das nächste Jahr gemacht. „Meistens wird ein Klassiker auf bayerisch umgesetzt", meint sie. Ob das schon ein kleiner Hinweis für nächstes Jahr war?