Machtspiele um „Macht und Minne"

 

 

Machtspiele um „Macht und Minne"
Heftiger Streit beim „Kultur- und Festspielverein" /
Aufführungen im Juni auf der Kippe

 

 

 

 

 

 
 

Feuer unterm Dach beim „Kultur- und Festspielverein Bruck". Nach einem internen Streit um die Anzahl der Aufführungen des Stücks „Macht und Minne" steht die Zukunft des Freilichtspiels zehn Wochen vor den geplanten Aufführungen offenbar gänzlich in Frage. Hubert Süß hat seine ehrenamtliche Tätigkeit als Festspielorganisator mit sofortiger Wirkung beendet.

Auf Nachfrage der Mittelbayerischen Zeitung bestätigte der Initiator des Freilichtspiels und Autor des Stückes „Macht und Minne", Hubert Süß, dass es beim Kultur- und Festspielverein eine für seine Begriffe „äußerst unerfreuliche Entwicklungen" gegeben habe. Bei der Vorbereitung der Saison 2007 im vergangenen Jahr seien sich noch alle maßgeblich an der Saison 2006 beteiligten Vorstandsmitglieder darin einig gewesen, das Stück „Macht und Minne" im Jahr 2007 viermal aufzuführen. Die Spieltermine wurden auf den 6. bis 9. Juni 2007 festgelegt. Zusätzlich sollten im Juli drei bis vier Vorstellungen des neuen Stückes von Hubert Süß „Die Kornblumenhochzeit" gegeben werden.

Bis zum Januar wurden die Rollen für „Macht und Minne" verteilt, so Hubert Süß zur MZ. Auch damals habe es noch keine Kritik an der Zahl der Aufführungen gegeben. Nur für eine Spielerin, die aus beruflichen Gründen nur zwei Aufführungen bestreiten kann, habe man eine Zweitbesetzung einplanen müssen.

Erst danach seien dann Stimmen laut geworden, die die Anzahl der auch schon überregional verbreiteten vier Aufführungen in Frage gestellt hätten. Das sei zu stressig und außerdem sei es nicht gewiss, ob man Karten für vier Aufführungen verkaufen könne, habe es geheißen. Unterstützung fanden die Kritiker laut Süß in der Person des 1. Vorsitzenden Thomas Giptner jun., der sich bis dahin weitgehend aus der Organisation des Vereins und des Festspieles rausgehalten habe, bei deer Terminierung für 2007 aber ebenfalls einverstanden gewesen sei. Die von Süß und dem zweiten Vorsitzenden Hans Beck angebotene Alternative, auf Zweitbesetzungen auszuweichen, sei abgelehnt worden. Man habe auf die Reduzierung der Aufführungstermine bestanden.
Darauf wollten sich aber Süß und Beck auf keinen Fall einlassen. „Das ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich", so Süß zur MZ. Habe man 2006 noch Fördermittel aus dem Programm „Leader+" erhalten, müsse der Verein in der neuen Saison voraussichtlich ganz ohne öffentliche Förderung auskommen. „Es gibt ein Finanzierungskonzept, und das funktioniert nicht mit weniger Einnahmen", so Süß.

Die Belastung für die Schauspieler hätte sich nach Auffassung von Süß in diesem Jahr sogar deutlich reduziert. „Vergangenes Jahr gab es vor der Aufführung vier Proben in Folge und dann zwei Spieltermine. Heuer sind wir insgesamt mit der Hälfte der Proben ausgekommen und hätten dann nach zwei großen Proben zum Abschluss viermal gespielt", erläuterte er seine Planungen.

Nachdem die Diskussion intern eine Zeit lang weitergeführt worden war, hat Thomas Giptner für den vergangenen Mittwoch eine Mitgliederversammlung ins Waldhaus Einsiedel einberufen. Dazu haben die Befürworter einer Reduzierung laut Süß „alles aufgeboten, was nur irgend möglich war". Nach Angaben von Süß hat Thomas Giptner zu Beginn der Sitzung sich selbst als befangen und seinen Stellvertreter Hans Beck als „nicht neutral" erklärt und die Leitung an Bürgermeister Joachim Hanisch übertragen. Ein von Hans Beck gestellter Antrag, es bei den ursprünglich geplanten vier Aufführungen zu belassen sei dann mit 14 zu zwölf Stimmen abgelehnt worden. Das Thema Finanzen und Renommee des Vereins habe dabei keine Rolle gespielt. Mit Mehrheit sei beschlossen worden, die Zahl der „Macht und Minne-Aufführungen" je nach Kartenvorverkauf auf zwei bis drei zu reduzieren. Zusätzlich soll es zwei bis drei Aufführungen der „Kornblumenhochzeit" geben.

In der Folge haben laut Süß zahlreiche Darsteller, die nicht Mitglied des Vereins sind und deshalb auch nicht stimmberrechtigt waren, ihren Rücktritt erklärt. Laut Süß hätten ihm bis Freitagnachmittag 17 Schauspieler, darunter sechs mit tragenden Rollen, mitgeteilt, dass sie nicht mehr für das Freilichtspiel zur Verfügung stehen. Süß selbst stellt mit sofortiger Wirkung seine ehrenamtliche Tätigkeit als Festspiel-Organisator ein.
Seinen Vertrag mit dem Markt als Regisseur und Intendant von „Macht und Minne" will er aber erfüllen. Gespannt wartet er darauf, wie viele Schauspieler am morgigen Sonntag zur nächsten Probe kommen. Am Montag will er dann dem Vereinsvorsitzenden und der Gemeinde mitteilen, welche Rollen neu zu besetzen sind. Neue Schauspieler zu finden, ist seiner Auffassung nach aber Aufgabe des Vereins und der Gemeinde. „Meine Aufgabe als Regisseur ist es, die Schauspieler auszuwählen und auszubilden, nicht, sie heranzukarren", so Süß.

Noch völlig offen ließ Süß im Gespräch die Zukunft des zweiten Stückes „Kornblumenhochzeit", das ebenfalls aus seiner Feder stammt. Hier will er eine Mitteilung an den 55 Mitglieder zählenden Verein nicht in der Presse vorwegnehmen.

Thomas Giptner jun. und Joachim Hanisch waren am Freitagnachmittag für Stellungnahmen nicht erreichbar.