Unschuldiger Papagei vor dem Richter

 

 

Unschuldiger Papagei vor dem Richter
Mit dem Stück „Raphael in den Zeugenstand" strapazierte
der Kultur- und Festspielverein die Lachmuskeln der Zuschauer
im ausverkauften Meisl-Saal.

 

 

 

 


 

 

 Ein bis auf den letzten Platz besetzter Meisl-Saal war Ansporn und Bestätigung für die Akteure des Brucker Festspielvereins bei der Uraufführung der Komödie „Rapahel in den Zeugenstand" von Horst Helfrich am Samstagabend.

Ort des Geschehens ist der Verhandlungssaal des „Amtsgerichtes Schwandorf". Die Witwe Nora Sturm ist angeklagt wegen ihres frivolen Papageis Rapahel. Denn obwohl der Vogel vertretungsweise im örtlichen Kirchenchor trällert, will die Nachbarin und gleichzeitig Klägerin Resi Wulf in der Nacht vom 14. auf den 15. August unsittliche Lieder gehört haben, die ihr und ihrem Gatten Franz Xaver Georg den Schlaf raubten.

Das Gericht um Josef Grosch hat nun die ehrenwerte Aufgabe, den Fall um den unsittlichen Papagei aufzuklären. Ein durchaus schwieriges Unterfangen, wenn man bedenkt, dass der verwirrte Richter mit Staatsanwalt Wenzl Silberberg und Verteidiger Ludwig Lemmle Tags zuvor mal wieder im „Havanna" versumpft ist. Bei dem Versuch, Licht ins Dunkle zu bringen, kommen interessante Details zutage.

Wie es scheint, war die Angeklagte in besagter Nacht gar nicht in ihrer Wohnung in der Danziger Straße. Und ihren Raphael hatte sie wie immer dabei. Aber wer hat dann die schmutzen Lieder gesungen? Wer war in der Wohnung? Der Papagei konnte nicht Urheber der nächtlichen Ruhestörung gewesen sein. Außerdem gab eine weitere Nachbarin, Henrike Baumeister, zu Protokoll, dass sie durchs Fenster einen männlichen Schatten gesehen und mehrere Stimmen in der Wohnung der Angeklagten vernommen habe. Nach einem Blick in seinen Taschenkalender bricht Richter Grosch die Verhandlung abrupt ab. Aber warum? Kann es vielleicht sein, dass irgendetwas an der ganzen Verhandlung faul ist. Versuchen die drei Herren gar etwas zu vertuschen? Die Verhandlung droht zu kippen, sehr zur Freude des Publikums sehen sich die Herren Rechtsvertreter nun plötzlich auf der Anklagebank wieder. Die Damen übernehmen das Zepter im Gerichtssaal.
Nach langem Hin und Her stellte sich heraus, wer für die nächtliche Ruhestörung die Verantwortung trägt. Es waren die Herren Grosch, Silberberg und Lemmle, die in der Nacht, während Nora Sturm bei ihrem Freund an der Hemmerlein-Kreuzung weilte, mit deren Tochter Katharina eine feucht-fröhliche Party in der Sturmschen Wohnung feierten.

Den Höhepunkt erreichte das Stück, als sich auch noch herausstellt, wer der Vater von Katharinas unehelichem Kind ist. Ja, auch Gerichtsdiener Graulich hat seinen Teil zum Fall und vor allem zum Enkelkind der Angeklagten Nora Sturm beigetragen.

Den Richter Grosch, der am Ende vor der weiblichen Übermacht kapituliert, spielte Karl Steiner. Seine liebe Not mit der Mandantin Sturm hatte als trinkfester Verteidiger Lemmle Dieter Marschalt. Daniel Gleixner, dessen schauspielerische Fähigkeiten das Publikum begeisterten, musste als Staatsanwalt Silberberg der Angeklagten und den Zeuginnen mehrfach auf die richtige Spur helfen. Als engagierte Papageienbesitzerin und hochgradig schwerhörige Angeklagte gefiel Agnes Feuerer und als ihre Nachbarin und Zeugin Wulf brillierte Christa Steiner. Marion Finken entwickelte in ihrer Rolle als Zeugin Baumeister die nötige Energie, um Grosch schließlich aus dem Richterstuhl zu verjagen. Echte Stützen der Justiz im Verhandlungssaal waren die Hilfskräfte. Anneliese Stangl brachte als liebeshungrige Protokollführerin Schnörgl vor allem den Richter ins Schwitzen und als bauernschlauer Gerichtsdiener Graulich feierte Stefan Schwarzmayr eine viel beklatschte Premiere. Souverän verlief der „Auftritt" von Tanja Auburger als Souffleuse. Die Maske lag in den bewährten Händen von Martina Breskott, und als Techniker in Sachen Licht und Ton bewies sich Matthias Auburger.

Die Uraufführung des Drei-Akters „Raphael in den Zeugenstand" kann der Kultur- und Festspielverein als großen Erfolg beschließen. Das Publikum gab immer wieder Szenen-Applaus und die Begeisterung nach der „Verhandlung" war überschwänglich.

In seinen Schlussworten dankte Stefan Schwarzmayr dem tollen Publikum und allen Helfern vor und hinter den Kulissen. Sein besonderer Dank galt dabei Karin Michl, die bei dem Stück in altbewährter Professionalität die Regie führte. (tlf)